Sie gelten als Botschafter des Sommers, Glücksbringer und Wetterpropheten und leben seit Jahrhunderten in unserer unmittelbaren Nachbarschaft: Rauchschwalben, die in rasanten Flugmanövern durch offene Stall- und Scheunentüren flitzen, und Mehlschwalben, die knapp über der Wasseroberfläche Insekten jagen oder zwitschernd auf Telefondrähten und Antennen sitzen. Doch seit Jahren verschwinden die eleganten Flugkünstler aufgrund von Nahrungsknappheit und Wohnungsnot mehr und mehr aus den Ortsbildern unserer Dörfer und Städte. Die Intensivierung der Landwirtschaft mit ihren hohen Pestizideinsätzen und das damit einhergehende Insektensterben machen ihnen ebenso zu schaffen wie Abriss und Modernisierung alter Gebäude, die Versiegelung von Freiflächen durch den Bau von Verkehrswegen und die Ausdehnung von Siedlungs- und Gewerbeflächen. Auf asphaltierten Feldwegen, zugepflasterten Dorfplätzen und geschotterten Hofeinfahrten finden die Schwalben keinen Lehm zum Bau ihrer Nester, hermetisch verschlossene Stallanlagen und Lagerräume verwehren Rauchschwalben den Zugang, an glatten Neubaufassaden finden die Nester der Mehlschwalben keinen Halt oder werden von Sauberkeitsfanatikern abgeschlagen.
Während Rauchschwalben sich vor allem im ländlichen Bereich wohlfühlen und ihre schalenförmigen Nester gerne im Halbdunkel in Ställen, Scheunen und anderen Nebengebäuden auf ungehobelte Balken, raue Wände oder Mauervorsprünge bauen, sind Mehlschwalben eher in der Stadt zu Hause und kleben ihre kugelförmigen, bis auf ein kleines Einflugloch geschlossenen Nester bevorzugt an Hauswände unter einem Dachüberstand in mindestens 2,5 m Höhe. Gelegentlich sind die Nester der äußerst geselligen Vögel auch unter Brücken, Vordächern, Durchfahrten oder Toreinfahrten zu finden. „Da es gerade im städtischen Bereich oftmals an geeigneten Baumaterialien und Niststandorten mangelt, wurden uns in den letzten Sommern vermehrt zerbrochene Schwalbennester gemeldet, die samt Jungvögeln auf Bürgersteige herabgefallen waren“, berichtet NABU-Pressesprecherin Dr. Antje Oldenburg. Zwar konnte der Nachwuchs dank der Aufmerksamkeit besorgter Bürger/innen und der Einsatzbereitschaft aktiver Mitglieder in allen Fällen gerettet werden, doch möchte der Naturschutzbund in diesem Jahr dazu beitragen, dass die Schwalbenjungen in einem stabilen, sicheren Nest aufwachsen können. „Wir erstatten nach Rechnungsvorlage 50% des Kaufpreises für Kunstnester einschließlich Kotbretter bis zu einer Höhe von maximal 100 € pro Standort“, erklärt Klaus Thiele von der NABU-Kreisgruppe. Da Schwalben in der Regel standorttreu sind und gerne in der Nachbarschaft von Artgenossen brüten, richtet sich das Angebot insbesondere an städtische Hauseigentümer, die bereits Rauch- und/oder Mehlschwalben beherbergen und mit dem Anbringen von Kunstnestern ein zusätzliches Angebot zu alten, beschädigten oder gefährdeten Nestern schaffen möchten. Damit die Glücksboten bei der Rückkehr aus ihren Überwinterungsgebieten südlich der Sahelzone geeignete Brutmöglichkeiten vorfinden, sollten die Nisthilfen für Rauchschwalben bis Mitte März und für Mehlschwalben bis Mitte April angebracht werden.
Fragen zum Verfahren des zunächst auf insgesamt 1000 € begrenzten Sponsorings oder zur Auswahl aus dem reichhaltigen Angebot im Handel erhältlicher Schwalbennisthilfen werden unter Tel. 05164-1435 beantwortet. Anträge zur Kostenbeteiligung einschließlich Angaben zum Anbringungsort und zur Bankverbindung des Antragstellers können an den NABU Heidekreis, Lehmbank 18, 29693 Eickeloh gesandt werden.